Denkpause: Wertvoll leben – Gedanken zur SchöpfungsZeit 2026

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Die diesjährige oeku ruft unter dem Motto «Wertvoll leben – der Mehrwert der Dinge» dazu auf, zu fragen, was unser Leben wirklich wertvoll macht. Im Mittelpunkt steht die kritische Auseinandersetzung mit Konsumverhalten und Besitz. Die SchöpfungsZeit gibt hierzu tägliche Impulse bis 4. Oktober, dem Gedenktag des Franz von Assisi, der arm und naturverbunden lebte.
Swantje Kammerecker,
von Pfarrerin Regula Eschle Wyler, Schwanden

Gott beauftragt uns Menschen die Schöpfung «zu bebauen und zu bewahren» (Genesis 2,15). Doch zu lange wurde nur der Kulturauftrag betont und mit dem aus dem Kontext gerissenen Vers «Macht euch die Erde untertan.» (Genesis 1,28) als Herrschaftsauftrag zur Beherrschung der Natur missverstanden, um die Erde bis zur globalen Umweltkatastrophe auszubeuten. «Was für ein Ende soll die Ausbeutung der Erde in all den künftigen Jahrhunderten noch finden? Bis wohin soll unsere Habgier noch vordringen?,» soll der römische Gelehrte Plinius bereits vor 2000 Jahren beklagt haben.

Seit den 1970-er Jahren wird die ökologische Frage diskutiert. Der Ökumenische Rat der Kirchen nahm sie auf. Es führte 1983 zur Dreiheit «Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung». In der Schweiz wurde 1986 der Verein «oeku Kirchen für die Umwelt» unter dem damaligen Namen «Oekumenische Arbeitsgemeinschaft Kirche und Umwelt» gegründet. Seit genau 40 Jahren setzt sich die oeku für die Bewahrung der Schöpfung als Teil des kirchlichen Auftrags und damit für nachhaltiges und umweltbewusstes Handeln in Kirchgemeinden und Pfarreien ein. So betont sie den zweiten Teil des biblischen Auftrags: Verantwortung und Schutz der Mitwelt und Mitgeschöpfe.

Die oeku versucht, eine feste Zeit im Kirchenjahr für dieses Anliegen zu etablieren und appelliert an unsere christliche Schöpfungverantwortung. Sie lädt zum Feiern einer SchöpfungsZeit ein: Der 1. September gilt bei der Orthodoxen und der Römisch-katholischen Kirche als Tag der Schöpfung. Der 4. Oktober ist der Gedenktag des Franz von Assisi. Zwischen diesen beiden Daten liegt die SchöpfungsZeit – sie schliesst das Erntedankfest und den Bettag mit ein. Der 4. Oktober ist dieses Jahr der 800. Todestag von Franz von Assisi. Er gilt als Schutzpatron der Tiere, der Umwelt und der Ökologie.

Dieses Jahr ruft uns die oeku unter dem Motto «Wertvoll leben – der Mehrwert der Dinge» dazu auf, zu fragen, was unser Leben wirklich wertvoll macht. Im Mittelpunkt steht die kritische Auseinandersetzung mit Konsumverhalten und Besitz. Wir konsumieren tagein tagaus. Wir besitzen viele Dinge. Nahrung, Kleidung und ein Dach über dem Kopf sind notwendig. Darüber hinaus häufen sich Gegenstände an, von denen wir kaum mehr wissen, dass wir sie haben. Gehören Sie auch zu den Menschen, die viel mehr besitzen als sie wirklich brauchen, sogar Dinge, die weder Freude bereiten noch nützlich sind? Was hat für Sie einen Wert? Einen Gebrauchs- oder Erinnerungswert, einen persönlichen, künstlerischen, symbolischen oder spirituellen Wert? Was mein Leben wertvoll macht, ist nicht käuflich – Gott sei Dank! Wahre Wertschätzung zeigt sich nicht im Kauf von Gütern, sondern im Anerkennen dessen, was das Leben reich und lebenswert macht.

Sehnsucht ist mit Kosum nicht stillbar
Die SchöpfungsZeit lädt dazu ein, über das Wert volle im Leben nach zudenken. Nur wenige Dinge bedeuten uns wirklich viel: ein Erbstück der Urgrossmutter, das einzige Foto eines lieben Menschen, handgeschriebene Briefe einer grossen Liebe oder tiefen Freundschaft. Solcher Wert ist nicht käuflich. Sehnsucht ist nicht mit Konsum stillbar – und schon gar nicht mit dem Kauf von Dingen, die jemand unter unmenschlichen Bedingungen hergestellt hat.

Doch wie bemisst sich der wahre Wert von Dingen? Wertvoll leben – wie geht das? «Mein Herz ist voll schöner Dinge: Zufriedenheit, Weite, Lebendigkeit. Das ist wertvoll leben für mich.», schreibt Mélanie Kern im Editorial von «Wertvoll leben – der Mehrwert der Dinge» der oeku-Arbeitsdokumentation 2026. Das erinnert daran, dass der wahre Wert eines Gegenstands oft in den Geschichten, Erinnerungen und Beziehungen liegt, die mit ihm verbunden sind.
Es ermuntert und ermutigt mich dazu, wertvolles Leben neu zu sehen: bei dem, was wir geniessen können, ohne es zu besitzen, und bei kleinen und unscheinbaren Dingen, die wir mit einem liebevollen Blick wertschätzen. Dabei verändert Dankbarkeit die Sicht auf die Dinge: Sie gewinnen an Wert, wenn sie dem Leben dienen und wir sie dankbar schätzen.

Tägliche Impulse in der SchöpfungsZeit:
Welche Rolle haben wir Menschen im Gewebe der Schöpfung? Wie erkennen wir darin Gott und können staunend und klagend, handelnd und hoffend zu Mitgeschöpfen und Mitschöpfern werden? Das Netzwerk geerdet glauben bietet bis 4. Oktober tägliche spirituelle Impulse zur Meditation und Aktion (via Email), online und kostenlos, zum Hören oder lesen. Einfach hier anmelden: geerdetglauben.de/schoepfung